Freitag, 31. Juli 2026

Gonzo und Janice in Concert - eine Geschichte in vier Akten

Wenn Janice und ich eine Sache gemeinsam haben, dann ist es unsere Liebe zur Musik. Genauer gesagt zu der, die so richtig Krach macht.
Daher kam es auch nicht wirklich überraschend, dass wir eines schönen Tages gemeinsam zu einem My’tallica Konzert aufbrachen.

Alles begann mit diesem Dialog zwischen mir und Janice.
„Ich hätte da ein Ticket für My’tallica übrig. Interesse?“
„Aber immer doch.“
„Cool. Macht 33,70 €“
„Kann ich mit Paypal bezahlen?“ Sprach’s und hatte bereits ihr Handy in der Hand.

Akt 1
2 Wochen vor dem Konzert.
Janice: „Wann geht’s denn da los?“
Ich: „20 Uhr.“
Janice: „Dann fahren wir hier um sechs weg.“
„Janice. Das sind zwei Stunden. In der Zeit fahre ich dir die Strecke zwischen Lemgo und Bielefeld dreimal.“
„Sicher ist sicher.“

Akt 2
Am Tag des Konzerts
Pünktlich um sechs steht mein Auto vor Janice‘ Haustür und wartet geduldig darauf, dass es seine Fahrt fortsetzen kann. Wer nicht abreisefertig ist, ist Janice.
Dezentes Klingeln an der Haustür. „Wo bleibst du?“
Janice öffnet die Tür. „Moment, ich muss nur noch…“
Mein Blick fällt auf einen Rucksack, der gefühlt die Größe eines Überseekoffers hat. „Was ist das?“, frage ich geschockt und sehe mich bereits am Kofferraum meines Autos Tetris spielen.
„Nur das Nötigste“, informiert mich Janice und packt noch schnell ein paar Dinge in den Rucksack.
„Das Nötigste? Du weißt schon, dass wir nur für ungefähr fünf Stunden nach Bielefeld fahren und nicht fünf Wochen ins Dschungelcamp ziehen?“

Als wir dann endlich loskommen, zieht Janice zwei Dosen Fertig-Cocktail aus dem Rucksack.
„Damit wir unterwegs nicht verdursten.“
„Cocktail… Für den Autofahrer…“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch.
„Ist doch alkoholfrei.“

Akt 3
Ich glaube schon, dass ich in den über 30 Jahren, in denen ich jetzt stolze Besitzerin eines sog. „Lappen“ bin, durchaus oft genug in die Stadt – die es bösen Zungen zufolge gar nicht gibt – gefahren bin, um auch ohne menschliches Navigationsgerät den Weg zum Ringlokschuppen zu finden. Janice war sich da aber offensichtlich nicht ganz sicher. Und wie das nun mal so ist, wenn man alle paar Minuten auf Verkehrsschilder, städtische Fotografie-Einheiten und Straßenschilder hingewiesen wird – irgendwann wird man nicht nur unsicher. Man resigniert auch ein Stück weit.
„Da vorne rechts.“
„Da hinten kommt ein Blitzer.“
„Ab da darfst du 50.“
„Jetzt 70.“
„Danke Janice. Wir wären vermutlich sonst in Dortmund gelandet.“ 

Akt 4
Es sind dann auch nur etwa zwanzig Minuten, die wir vor der Tür ausharren müssen, bis der Club uns Einlass gewährt. Nicht etwa, weil die Schlange so lang ist, sondern weil wir einfach zu früh da sind.
Eine Stunde später stehen wir in der zweiten Reihe vor der Bühne und ich darf endlich beweisen, dass ich nicht nur unglaublich textsicher bin, sondern auch keine Angst davor habe, mich tänzerisch vollkommen zum Affen zu machen.
Nach dem Konzert verteilt der Sänger großzügig einen Stapel Plektrons in der Menge, von dem Janice unglücklicherweise trotz mehrfacher Bettelei nicht eins abbekommt. Aber warum soll es ihr auch anders gehen als mir? Ich hab‘ schließlich auch keinen der Drum Sticks bekommen, den ich meiner Tochter eigentlich für ihre Sammlung mitbringen will.

Als  wir schließlich aus Bielefeld den Rückweg ins Lipperland antreten, ziehe ich schließlich mein Fazit.
Erstens: Ich hatte noch nie einen so chaotisch und gleichzeitig lustigen Konzertabend.
Zweitens: Mit Janice wird es auf keinen Fall langweilig.
Und drittens: Der Inhalt eines Survival Rucksacks ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Auch wenn der Überseekoffer den ganzen Abend unangetastet im Auto auf unsere Rückkehr gewartet hat.

In diesem Sinne: Vielen Dank für dieses schöne Erlebnis, Janice. Immer wieder gerne.

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