Sonntag, 30. August 2026

Wär ich mal ans Meer gefahren...

Montagmorgen, kurz nach halb 7. Vielleicht war es mein sechster Sinn, der mir heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit eingeflüstert hat, dass ich eigentlich schon wieder Urlaub gebrauchen könnte. Dem Pflichtbewusstsein sei Dank fahre ich dann aber trotzdem ins Büro, obwohl mein Auto sicher auch problemlos den Weg ans Meer gefunden hätte.
Hätte ich dem Wunsch mal nachgegeben.

Stattdessen quäle ich mich durch den Berufsverkehr und finde mich eine halbe Stunde nach der Abfahrt an meinem Schreibtisch wieder. Während der Kollege, der mir normalerweise gegenübersitzt, vermutlich noch den Schlaf der Gerechten schläft. Im Gegensatz zu mir hat Kermit nämlich Urlaub – und das unverschämterweise sogar schon seit einer Woche.

Während mein Computer hochfährt, reiße ich die Fenster auf, die letzten Blätter von meinem mehr oder weniger geistreichend Bürosprüche-Kalender und organisiere mir den ersten Kaffee des Tages.
Inzwischen hat auch der Computer seinen Dienst aufgenommen, die wichtigsten Programme automatisch gestartet und wartet frech grinsend darauf, dass ich mich im Browser in den Schwung Clouds einlogge, die HORST für die Arbeit benötigt.
Frech grinsend deshalb, weil mein Computer ein kleiner Sadist ist, der seine regelmäßigen Updates, von denen es jede Woche mindestens fünf gibt, grundsätzlich immer erst dann startet, wenn man sich überall eingeloggt hat.
Single-Sign-On wäre schön. Oder zumindest eine Möglichkeit, dem Gerät regelmäßig auf die Finger zu klopfen, wenn es mal wieder ausgerechnet dann genau den Browser updaten will, den man gerade in Verwendung hat.
Kaum überraschend also, dass man das Gerät jeden Morgen zunächst mal mit einem misstrauischen Blick begutachtet und hoffnungsvoll darauf wartet, es möge sein Update bitte machen, bevor man anfängt zu arbeiten. Also macht man erstmal Dinge, für die man den Computer bestenfalls nicht braucht. Mit Kollegen telefonieren, den Kaffeebecher über den Flur tragen, Zigarettenpause, Dönneckes. Im besten Fall hat das Update bei der Rückkehr bereits stattgefunden – oder es gibt ausnahmsweise mal keines.

Heute Morgen war allerdings irgendetwas anders. Was Neues. Etwas, das mich quasi sofort daran erinnerte, dass mein Auto ja eigentlich ans Meer gewollt hatte.

7:21 Uhr
Nachdem ich eine halbe Stunde mit Beaker telefoniert hatte, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren, beschließe ich, dass der Computer jetzt lange genug Zeit hatte, um sich zu entscheiden, ob er nun updaten will oder nicht.
Todesmutig öffne ich also den Browser und beginne, meine Zugangsdaten in die Login-Masken der Clouds einzutragen.

„Kennung oder Kennwort falsch“, meckert das Programm.

Hä? Wie jetzt? Freitag ging’s doch noch. Bin ich gehackt worden? Ach nee, wir sind ja ein Hochleistungsrechenzentrum. Hat sich mein Passwort selbst zerstört? Oder Windows beschlossen, es heimlich zurückzusetzen?

„Ich hätte doch ans Meer fahren soll“, schießt mir durch den Kopf, während ich zum Telefonhörer greife und Rowlf anrufe.

„Kommst du bei Loga rein?“, frage ich ohne Begrüßung.

„So weit bin ich noch nicht. Das Programm startet noch.“

Einen Augenblick später die Erkenntnis: Loga mag heute Morgen nur mich nicht. Bei allen anderen geht’s. Wie war das doch gleich noch mit dem Meer?

Erneut greife ich zum Hörer – und rufe die Schlümpfe an. Genauer gesagt, den Pförtnerschlumpf – das ist der, der die Zugänge kontrolliert.

Um nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen, gratuliere ich ihm schnell noch nachträglich zum Geburtstag und erfahre so, dass er am Wochenende denselben Kinofilm geguckt hat wie ich. Nur in einem anderen Kino – und ohne versteckte Kamera.

„Loga hält mir die Tür zu“, beschwere ich mich bei ihm und ‚drohe‘ mit Arbeitsverweigerung.

Der Pförtnerschlumpf lacht. „Sag das nicht mir, sag das Waldorf. War nämlich ihr Fehler.“

„Wieso?“

„Du bist nicht entfristet worden.“

„Oh, wie schön. Dann kann ich ja jetzt nach Hause gehen.“
Dummerweise war mein Verantwortungsbewusstsein auch heute wieder schneller als mein Fluchtinstinkt.

„Wohl eher nicht. Ich mach mal schnell…“ Ich höre Pförtni tippen. „So, jetzt kannste wieder.“

„Schade. Ich hab‘ mich bereits ans Meer fahren sehen.“

„Tut mir leid.“

„Aber nicht weh“, sage ich und lege auf.
Also bleibe ich. Schließlich muss ich ja noch die Arbeit erledigen, für die ich laut Computersystem gar nicht mehr zuständig bin.

Ob ich Waldorf schnell noch das böse F-Wort entgegenschmettere? F wie Fehler? Hm, besser nicht. Heute ist Montag. Und Kermit ist nicht da. Böse Kombination. Ganz böse.

Freitag, 14. August 2026

Lückentext für Fortgeschrittene

Montagmorgen bei HORST

Ein Teams-Meeting mit einem Kunden zum Thema „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ steht an. Bei den Muppets intern als BEM bezeichnet. Was an sich schon für Lacher sorgt, weil die meisten erst mal BÄMM verstehen. BÄMM, wie dieses universell einsetzbare Geräusch für „Das hat gesessen“.

Ich liebe dieses Thema – nicht. Und war deshalb froh, dass Fozzie mich fachlich unterstützen würde. Ihr wisst schon – Fozzie, das wandelnde Fachlexikon für so ziemlich alles, was auch nur im Ansatz mit Meldewesen zu tun hat. Und der fehlendes Wissen zur Not mit kulinarischen Geheimtipps kompensiert.
Leider konnte allerdings auch der nicht ausgleichen, was dem Kunden an diesem Vormittag fehlte: funktionierende Technik.

Pünktlich wie die Maurer trudelte mein Gesprächspartner also mit zwei Damen in dem Meeting ein. Unterwegs schien er eine Person allerdings verloren zu haben, denn zwei Wochen vorher hatte er mir noch schriftlich mitgeteilt, dass sie zu viert sein würden. Egal – einer mehr oder weniger, da kommt’s ja jetzt auch nicht drauf an.

Kurz noch meine Unterlagen gecheckt, den Bildschirm geteilt, mich und Fozzie vorgestellt, dann konnte es losgehen.
Als Schulungs-Mensch hat man ja normalerweise schon so etwas wie Routine darin, was man wann, wie und wem erzählt. Alles ganz easy, dachte ich mir noch und startete meine Präsentation. Oder besser gesagt, ich versuchte es, denn schon nach wenigen Minuten tauchte die erste Frage auf und damit nahm unser Schicksal sozusagen seinen Lauf.

Von den drei Köpfen, die mir da von der anderen Seite des Bildschirms entgegenblickten, war einer der Sprache offensichtlich gar nicht mächtig. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, ob die Dame zumindest meinen Morgengruß erwidert hatte. Mein eigentlicher Gesprächspartner war offenbar auch nur anwesend, um die Männerquote zu erfüllen. Oder vielleicht hatte er auch nur Angst, dass seine weiblichen Kollegen nicht verstehen, was wir so von uns geben.
Die dritte Person im Bunde stellte sich uns als diejenige vor, die beim Thema BEM sozusagen den Hut aufhat. Welchen offiziellen Titel sie dafür benutzte, habe ich erfolgreich verdrängt. In meiner Erinnerung war es irgendwas, das ähnlich wichtig klang wie „persona non grata“. Was definitiv falsch wäre – zumindest zu diesem Zeitpunkt noch.

Ich bin sicher, dass sie sehr laut und deutlich gesprochen hat – zumindest war das ihrer Mimik zu entnehmen. Zeitweise machte sie den Eindruck, als würde sie für einen Charlie Chaplin Stummfilm proben. Dann klang sie, als säße sie irgendwo in einer Mülltonne – 5 km unter der Erdoberfläche. Dann wieder, als versuche sie, ihre Äußerungen im Telegrammstil durch den Äther zu jagen. Ich wusste nie, ob sie uns jetzt irgendetwas erzählt, gefragt oder einfach nur Lockerungsübungen für den Mund gemacht hatte.

Aber man versucht ja, das Beste daraus zu machen. Ich war schon immer gut in Lückentexten, Interpretation und „ins Blaue hineinschwafeln“. Und ich glaube, so falsch kann das, was ich von mir gegeben habe, nicht gewesen sein, sonst hätte das Trio den Termin wohl irgendwann entnervt abgebrochen.

Ach und wer sich fragt, welche Funktion Fozzie denn nun bei dem Termin hatte…
Gar keine. Ich musste mir schon sehr das Lachen verkneifen, in seinen immer ratloser werdenden Gesichtsausdruck zu blicken. Da halfen dann auch keine kulinarischen Restaurant-Tipps mehr, um die Stimmung aufzulockern.

Als wir uns nach einer Stunde aus dem Termin verabschiedeten und uns zur Nachbesprechung zusammensetzten, fragte Fozzie mich mit hochgezogenen Augenbrauen:
„Sag mal, hast du irgendwas von dem verstanden, was die Tante da von sich gegeben hat?“
„Nö. War aber ne gute Übung.“
„Wofür?“
„Für meinen nächsten Urlaub im Ausland.“

Sonntag, 2. August 2026

(K)ein ganz normaler Kinoabend

Eigentlich wollten wir uns gestern Abend nur den neuen „Spiderman“ im Kino ansehen.
Mit Cola, Nachos mit Käsesauce – und natürlich in 3D.
Wie gesagt: Eigentlich…

Es war vielleicht keine so besonders schlaue Idee, zwei Tage nach der deutschen Premiere an einem Samstagabend ins Kino zu gehen. Zumindest dann nicht, wenn man einfach nur wegen des Films hingeht. Für die Zukunft sollte ich mir vielleicht überlegen, ob ich nicht öfter aus Recherchegründen ins Kino gehe. Aber darum soll’s hier gerade gar nicht gehen.

Die Schlange an der Ticketkasse des Kinos hat gefühlt in etwa die Ausmaße eines Güterzuges, als Göttergatte, Teenager-Tochter und ich eine gute halbe Stunde vor Filmbeginn das Hamelner Kino betreten. Wohl dem, der die Tickets in weiser Voraussicht bereits online gekauft hatte und sich deshalb direkt an der – übrigens nicht viel kürzeren – Schlange an der Snackkasse anstellen konnte.

Erst stehen wir also für die obligatorische Snack-Box an, dann in der Schlange, die sich in bester Stop-and-Go Manier in den Kinosaal bewegt. Kaum zu glauben, dass wir unsere Plätze in der vorletzten Reihe trotzdem noch so rechtzeitig erreichen, dass sogar die Leinwand noch tot ist.

Zwei Minuten später erwacht die Leinwand zum Leben, das Licht wird etwas gedimmt, die übliche Vorschau gezeigt. So weit, so gut. Eigentlich alles wie immer.
Während Göttergatte und Teenager neben mir sich über den letzten Kinofilm unterhalten, den sie ohne mich gesehen hatten, höre ich das Pärchen rechts neben mir so laut reden und lachen, als sprächen sie durch ein Megafon. (Spoiler: Taten sie aber nicht).
Ein Mann hinter uns diskutiert mit seiner Frau darüber, ob Nachos vielleicht doch besser als Popcorn gewesen wären.
Drei Reihen vor uns schüttet sich eine Frau ein Pöttchen Käsesauce über ihre schicke Hose und irgendwo schräg hinter mir raschelt eine Chipstüte in einer Lautstärke, als hätte gerade ein Kieslaster seine Ladung verloren.

Ein normaler Kinobesucher mag all diese Eindrücke als Hintergrundgeräusche wahrnehmen.
Er hört vermutlich nicht, dass der Mann hinter ihm sein Getränk durch den Strohhalm schlürft. Und er riecht nicht, dass die Frau zwei Plätze weiter gerade mit dem Arsch Trompete gespielt hat. Schon gar nicht in einem vollbesetzten Kino, in dem es nach Popcorn, Schweiß und Chanel No. 5 stinkt.
Ein normaler Kinobesucher bemerkt nicht, dass sich die Frau drei Reihen vor ihm seit zehn Minuten Käsesauce von der Hose kratzt, während ihre Begleitung mit der Handytaschenlampe dafür sorgt, dass sie nichts übersieht. Ich schon.
Und da ja ohnehin noch Werbung läuft, verbuche ich all diese Eindrücke nicht nur als kurzweiliges Vergnügen, sondern sorge außerdem dafür, dass sich in meinem eigenen Kino direkt erste Ideen entwickeln, was ich mit diesen Beobachtungen alles anstellen könnte.

So weit, so gut. Wie gesagt – alles wartet darauf, dass der Film endlich losgeht.

Zehn Minuten später…
Auf der Leinwand ändert sich die Optik. Die Bilder wirken verschwommen und eine Stimme weist darauf hin, doch jetzt bitte die 3D-Brillen aufzusetzen. Ach ja, da war ja was.
Hektisch werden letzte Plastikverpackungen aufgerissen, Gespräche verebben – und plötzlich friert das Bild auf der Leinwand ein, als habe die Eiskönigin mit der Hand gewedelt. Wo eben noch ein Trailer für den neuen Statham lief, sieht es nun so aus, als hätte jemand versucht, ein Gemälde mit Aceton zu reinigen.

Gar kein schlechtes Motiv für einen Desktop-Hintergrund, schießt mir kurz durch den Kopf.

Hinter mir vermutet jemand – zugegeben nicht ganz ernst gemeint – das Kino habe die Stromrechnung nicht bezahlt oder der Projektor das Zeitliche gesegnet.
Die Frau neben mir lacht, dies sei mit Abstand der schlechteste Film, den sie je gesehen habe.
Vor uns wird immer noch die Käsesauce aus der Hose operiert.

Schließlich geht das Licht wieder an. Ein Kinomitarbeiter erscheint vor der Leinwand und entschuldigt sich wortreich für die Unterbrechung. Man habe beschlossen, den Film an dieser Stelle zu unterbrechen, da noch nicht alle Besucher im Saal angekommen seien und man sicherstellen wolle, dass auch diese Mitmenschen den kompletten Film sehen könnten.
Film? Welchen Film? Da lief doch gerade noch Werbung…
Na gut. Kann ja nicht lange dauern.

„Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um ca. zehn Minuten“ murmele ich – zugegebenermaßen nicht ganz leise.
Die Frau hinter mir kichert etwas hysterisch, dass sie derartige Verspätungen bisher nur von der Deutschen Bahn kannte.
Direkt vor mir beginnt ein Mann damit, Tiktok-Videos zu schauen. Auch ne Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben.
Ich beobachte gespannt die zu erwartende Flut an Neuankömmlingen, die sich durch die vollbesetzten Reihen bis zu ihrem Platz durchkämpfen. Dass der Platz zwischen mir und der Trompete spielenden Dame rechts von mir dennoch frei blieb, muss Zufall gewesen sein.

Zehn weitere Minuten vergehen. Fünfzehn. Schließlich zwanzig. Unruhe macht sich langsam breit. Die ersten Besucher, die sogar bereits im Saal saßen, als wir unsere Plätze eingenommen hatten, stehen wieder auf und verschwinden. Wohin? 🤷‍️Pipibox? Popcorn nachkaufen? Auswandern? Man weiß es nicht. Kurz denke ich darüber nach, ob ich noch eine rauchen gehen kann, da steht fünf Reihen vor uns plötzlich ein junger Mann auf, um sich lautstark über die Lautstärke aufzuregen.
„Der hatte wenigstens Eier in der Hose“, stellt die Teenie-Tochter später auf der Rückfahrt im Auto fest.
"Könnt ihr jetzt nicht alle mal leise sein?", ruft er durchs Kino. "Euer Gequatsche geht mir voll auf die Nerven. Ich will den Film sehen. In Ruhe."
Film? Welchen Film? Ich sehe immer noch keinen Film. Nur nach wie vor das verunglückte DaVinci Gemälde.
Tumult breitet sich aus. Ich greife gespannt in meine Nachos und frage mich, ob man sich da vorne gleich noch prügelt. Kurz sieht es danach aus, doch dann setzt sich der Mann wieder hin.

Ich beginne zu kichern. Die ganze Situation ist so herrlich absurd, dass ich irgendwie darauf warte, Kurt Felix gleich auf der Leinwand zu sehen. „Verstehen Sie Spaß?!“

Inzwischen kommen auch keine Besucher mehr in den Saal, trotzdem wartet das ganze Kino immer noch darauf, dass der Film jetzt losgeht. Immerhin sind 30 Minuten vergangen.
"Sind dann jetzt mal alle da?", rufe ich klar und deutlich in die Menge.
Meine Tochter versinkt vor Scham noch ein Stück weiter in ihren Sitz. "Boah Mama. Ich geh nie wieder mit dir ins Kino!"
"Was denn? Ist doch eine berechtigte Frage", sage ich verwundert.
Außerdem war das Licht aus, was den Göttergatten später dazu veranlasst zu behaupten, ich hätte die Frage auch nur gestellt, weil mich niemand sehen konnte. Irrtum, mein Schatz.

Immerhin kommt endlich Bewegung in die Sache. Ruhe kehrt ein und aus dem schicken Desktop-Motiv werden wieder bewegte Bilder.
Mit einer Verspätung von nur 33 Minuten - davon kann sich die Bahn übrigens eine dicke Scheibe abschneiden - dürfen wir dann endlich dabei zusehen, wie Tom Holland aka Peter Parker in bester Spiderman-Manier auf der Leinwand seine Spinnennetze verschießt.
Und wer sich fragt, ob der Film sehenswert ist... Auf jeden Fall. Nur vielleicht nicht unbedingt zwei Tage nach Kinostart. Es sei denn, man steht auf Verzögerung, diverse Körperausdünstungen und verschüttete Käsesauce.

Freitag, 31. Juli 2026

Gonzo und Janice in Concert - eine Geschichte in vier Akten

Wenn Janice und ich eine Sache gemeinsam haben, dann ist es unsere Liebe zur Musik. Genauer gesagt zu der, die so richtig Krach macht.
Daher kam es auch nicht wirklich überraschend, dass wir eines schönen Tages gemeinsam zu einem My’tallica Konzert aufbrachen.

Alles begann mit diesem Dialog zwischen mir und Janice.
„Ich hätte da ein Ticket für My’tallica übrig. Interesse?“
„Aber immer doch.“
„Cool. Macht 33,70 €“
„Kann ich mit Paypal bezahlen?“ Sprach’s und hatte bereits ihr Handy in der Hand.

Akt 1
2 Wochen vor dem Konzert.
Janice: „Wann geht’s denn da los?“
Ich: „20 Uhr.“
Janice: „Dann fahren wir hier um sechs weg.“
„Janice. Das sind zwei Stunden. In der Zeit fahre ich dir die Strecke zwischen Lemgo und Bielefeld dreimal.“
„Sicher ist sicher.“

Akt 2
Am Tag des Konzerts
Pünktlich um sechs steht mein Auto vor Janice‘ Haustür und wartet geduldig darauf, dass es seine Fahrt fortsetzen kann. Wer nicht abreisefertig ist, ist Janice.
Dezentes Klingeln an der Haustür. „Wo bleibst du?“
Janice öffnet die Tür. „Moment, ich muss nur noch…“
Mein Blick fällt auf einen Rucksack, der gefühlt die Größe eines Überseekoffers hat. „Was ist das?“, frage ich geschockt und sehe mich bereits am Kofferraum meines Autos Tetris spielen.
„Nur das Nötigste“, informiert mich Janice und packt noch schnell ein paar Dinge in den Rucksack.
„Das Nötigste? Du weißt schon, dass wir nur für ungefähr fünf Stunden nach Bielefeld fahren und nicht fünf Wochen ins Dschungelcamp ziehen?“

Als wir dann endlich loskommen, zieht Janice zwei Dosen Fertig-Cocktail aus dem Rucksack.
„Damit wir unterwegs nicht verdursten.“
„Cocktail… Für den Autofahrer…“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch.
„Ist doch alkoholfrei.“

Akt 3
Ich glaube schon, dass ich in den über 30 Jahren, in denen ich jetzt stolze Besitzerin eines sog. „Lappen“ bin, durchaus oft genug in die Stadt – die es bösen Zungen zufolge gar nicht gibt – gefahren bin, um auch ohne menschliches Navigationsgerät den Weg zum Ringlokschuppen zu finden. Janice war sich da aber offensichtlich nicht ganz sicher. Und wie das nun mal so ist, wenn man alle paar Minuten auf Verkehrsschilder, städtische Fotografie-Einheiten und Straßenschilder hingewiesen wird – irgendwann wird man nicht nur unsicher. Man resigniert auch ein Stück weit.
„Da vorne rechts.“
„Da hinten kommt ein Blitzer.“
„Ab da darfst du 50.“
„Jetzt 70.“
„Danke Janice. Wir wären vermutlich sonst in Dortmund gelandet.“ 

Akt 4
Es sind dann auch nur etwa zwanzig Minuten, die wir vor der Tür ausharren müssen, bis der Club uns Einlass gewährt. Nicht etwa, weil die Schlange so lang ist, sondern weil wir einfach zu früh da sind.
Eine Stunde später stehen wir in der zweiten Reihe vor der Bühne und ich darf endlich beweisen, dass ich nicht nur unglaublich textsicher bin, sondern auch keine Angst davor habe, mich tänzerisch vollkommen zum Affen zu machen.
Nach dem Konzert verteilt der Sänger großzügig einen Stapel Plektrons in der Menge, von dem Janice unglücklicherweise trotz mehrfacher Bettelei nicht eins abbekommt. Aber warum soll es ihr auch anders gehen als mir? Ich hab‘ schließlich auch keinen der Drum Sticks bekommen, den ich meiner Tochter eigentlich für ihre Sammlung mitbringen will.

Als  wir schließlich aus Bielefeld den Rückweg ins Lipperland antreten, ziehe ich schließlich mein Fazit.
Erstens: Ich hatte noch nie einen so chaotisch und gleichzeitig lustigen Konzertabend.
Zweitens: Mit Janice wird es auf keinen Fall langweilig.
Und drittens: Der Inhalt eines Survival Rucksacks ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Auch wenn der Überseekoffer den ganzen Abend unangetastet im Auto auf unsere Rückkehr gewartet hat.

In diesem Sinne: Vielen Dank für dieses schöne Erlebnis, Janice. Immer wieder gerne.

Dienstag, 28. Juli 2026

Ich arbeite nicht im Irrenhaus. Meistens jedenfalls

Juristisch vermutlich nicht ganz wasserdicht, aber ehrlich:
Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden sämtliche Namen geändert. Etwaige Ähnlichkeiten mit Fröschen, Bären, Wissenschaftlern, schwedischen Köchen oder sonstigen Figuren sind selbstverständlich rein zufällig. Sollten sich einzelne Personen dennoch wiedererkennen, liegt das ausschließlich an deren außergewöhnlicher Fantasie. Oder daran, dass ich auch nächste Woche noch mit ihnen zusammenarbeiten möchte. 🤭

Böse Zungen behaupten ja, der ÖD sei nicht nur staubtrocken, sondern bestehe aus einem Haufen Beamter, die den Büroschlaf erfunden hätten. Das mag auf den ein oder anderen vielleicht zutreffen. Bei HORST – zumindest bei uns Muppets – ist mir ein solcher aber noch nicht begegnet. Dafür haben meine Kollegen und ich allerdings andere Qualitäten. Oder sollte ich besser Eigenarten sagen? 🤔

Macken. Ja, Macken könnte ein passender Ausdruck sein. Und das ist nicht mal böse gemeint, denn den größten Knall habe ich oft selbst – Gott zum Dank (oder vielleicht doch eher leider?) merke ich das in den meisten Fällen. Und wenn ich ganz viel Glück habe, auch noch rechtzeitig.

Ich bin übrigens Gonzo – einer von insgesamt zehn Muppets, die bei HORST dafür sorgen, dass Arbeitnehmer brav ihre Abgaben zahlen, ordnungsgemäß angemeldet werden oder das statistische Bundesamt jedes Jahr seine Zahlen bekommt.
Und damit wir während des Arbeitstages nicht vor lauter Langeweile schlafend vom Stuhl fallen, tun uns unsere Kunden täglich den Gefallen, uns mit allerlei merkwürdigen und (hoffentlich nicht immer ganz ernst gemeinten) Fragen zu bombardieren. Wahlweise telefonisch oder schriftlich. Gerne auch sowohl als auch, wenn’s denn mal wieder nicht schnell genug geht.

Mein Büro teile ich mir im Übrigen mit Kermit, der mir altersmäßig 10 Jahre voraus ist und mir deshalb in schöner Regelmäßigkeit – mindestens aber einmal pro Woche – nicht ganz ernst gemeint unter die Nase reibt, dass er in 5 Jahren in Rente gehen darf. Vielen Dank dafür. 😉
Andererseits ist Kermit der typische „Ich sammle Überstunden, weil ich Waldorf damit in den Wahnsinn treiben kann“-Muppet. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wieso man freiwillig morgens um 6:00 Uhr schon vor dem Schreibtisch sitzt und Tickets beantwortet.

Das Büro links neben uns teilen sich Waldorf und Statler – überflüssig zu erwähnen, dass diese beiden nicht nur die Chefs der Muppets sind (sowohl in der Show als auch bei HORST), sondern sich auch genauso zuverlässig die Bälle zuspielen wie ihre Vorbilder.

Beaker startet selten unauffällig in den Arbeitstag. Während andere ihren ersten Kaffee trinken, klingt es bei ihr oft so, als hätte sie bereits einen halben Marathon hinter sich. Dazu kommt ihre liebenswerte Angewohnheit, ihre Sätze regelmäßig mit einem „Wie heißt es?“ zu würzen, wenn ihr das passende Wort gerade nicht über die Lippen will. Wir wissen aber alle: In spätestens drei Sekunden fällt ihr das gesuchte Wort wieder ein und der Satz geht weiter, als wäre nichts gewesen.

Und wenn wir bei Beaker sind, ist auch Janice nicht weit. Die teilt sich nämlich das Büro mit ihr. Zumindest an zwei Tagen pro Woche – ein Hoch auf das Zeitalter von Homeoffice und Telearbeit. Janice ist vermutlich die einzige Person, die gleichzeitig über ein kompliziertes Ticket und den neuesten Streaming-Hit diskutieren kann, während sie dir nebenbei einen neuen Song präsentiert und dabei noch schnell ein Fozzie-Bingo entwickelt.

Womit wir auch schon beim nächsten Muppet sind – Fozzie. Er ist unser wandelndes Nachschlagewerk, Restaurant-Kritiker und Reiseführer in Personalunion. Es gibt kaum ein Thema, aus dem er keinen abendfüllenden Abenteuerfilm macht. Und keinen Scharbeutz-Urlaub, von dem er uns nicht in Tagebuchform erzählt hat.

Vor allem Rowlf würde mir das mit Sicherheit an dieser Stelle bestätigen. Der teilt sich nämlich mit Fozzie nicht nur das Büro, sondern leistet ihm einmal die Woche Gesellschaft – natürlich beim Essen. Gelegentlich begleite ich die beiden sogar dabei.
Rowlf ist vermutlich der unauffälligste Muppet. Er kommt ins Büro, macht seine Arbeit und geht wieder nach Hause. Ohne großes Tamtam, ohne Drama und vor allem ohne aus einem kurzen Gespräch einen halben Podcast zu machen. Wahrscheinlich kommt man neben Fozzie ohnehin nur schwer zu Wort.

Dr. Bunsenbrenner verwandelt selbst das harmloseste Ticket in eine wissenschaftliche Studie, die mit mindestens fünf Exceltabellen, zwei geöffneten Handbüchern und einem Kollegen am Telefon durchgeführt wird. Ob der Kollege tatsächlich fachlich gebraucht wird oder nur zur moralischen Unterstützung dient, lässt sich von außen nicht immer zweifelsfrei beurteilen. Oft sucht sie sich dabei dann auch noch Themen aus, die sich bei näherer Betrachtung als fachlicher Endgegner herausstellen, was sie gerne mal an den Rand des Wahnsinns treibt.

Bis vor einer Weile vervollständigte Scooter das Team der Muppets. Aktuell befindet die sich allerdings auf einer etwas wichtigeren Mission – nämlich dem frisch geschlüpften Mini-Scooter die Welt und seinen alltäglichen Wahnsinn zu erklären.

Wie ihr seht, sind wir alle nicht ganz dicht und trotzdem eigentlich ganz liebenswert. Zumindest, wenn ihr meinem Urteilsvermögen Glauben schenken wollt. Vielleicht übertreibe ich an der ein oder anderen Stelle etwas – wenn nicht hier, dann spätestens in den Posts, die ihr in Zukunft über uns lesen werdet. So bin ich eben. Sarkasmus, schwarzer Humor und Vergleiche, bei denen ich gelegentlich selbst nicht mehr weiß, wie ich eigentlich darauf gekommen bin.
Ich kann nicht nur über andere lachen, sondern auch über mich selbst. Und in den allermeisten Fällen auch mit Kritik umgehen, solange sie nicht unter die Gürtellinie geht.

Spaß muss sein – auch im Job. Er darf nur nicht dazu führen, dass man seinen Fokus verliert!