Montagmorgen bei HORST
Ein Teams-Meeting mit einem Kunden zum Thema „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ steht an. Bei den Muppets intern als BEM bezeichnet. Was an sich schon für Lacher sorgt, weil die meisten erst mal BÄMM verstehen. BÄMM, wie dieses universell einsetzbare Geräusch für „Das hat gesessen“.
Ich liebe dieses Thema – nicht. Und war deshalb froh, dass
Fozzie mich fachlich unterstützen würde. Ihr wisst schon – Fozzie, das
wandelnde Fachlexikon für so ziemlich alles, was auch nur im Ansatz mit
Meldewesen zu tun hat. Und der fehlendes Wissen zur Not mit kulinarischen
Geheimtipps kompensiert.
Leider konnte allerdings auch der nicht ausgleichen, was dem Kunden an diesem Vormittag
fehlte: funktionierende Technik.
Pünktlich wie die Maurer trudelte mein Gesprächspartner also mit zwei Damen in dem Meeting ein. Unterwegs schien er eine Person allerdings verloren zu haben, denn zwei Wochen vorher hatte er mir noch schriftlich mitgeteilt, dass sie zu viert sein würden. Egal – einer mehr oder weniger, da kommt’s ja jetzt auch nicht drauf an.
Kurz noch meine Unterlagen gecheckt, den Bildschirm geteilt,
mich und Fozzie vorgestellt, dann konnte es losgehen.
Als Schulungs-Mensch hat man ja normalerweise schon so etwas wie Routine darin,
was man wann, wie und wem erzählt. Alles ganz easy, dachte ich mir noch und
startete meine Präsentation. Oder besser gesagt, ich versuchte es, denn schon
nach wenigen Minuten tauchte die erste Frage auf und damit nahm unser Schicksal
sozusagen seinen Lauf.
Von den drei Köpfen, die mir da von der anderen Seite des
Bildschirms entgegenblickten, war einer der Sprache offensichtlich gar nicht
mächtig. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, ob die Dame zumindest
meinen Morgengruß erwidert hatte. Mein eigentlicher Gesprächspartner war offenbar
auch nur anwesend, um die Männerquote zu erfüllen. Oder vielleicht hatte er
auch nur Angst, dass seine weiblichen Kollegen nicht verstehen, was wir so von
uns geben.
Die dritte Person im Bunde stellte sich uns als diejenige vor, die beim Thema
BEM sozusagen den Hut aufhat. Welchen offiziellen Titel sie dafür benutzte,
habe ich erfolgreich verdrängt. In meiner Erinnerung war es irgendwas, das
ähnlich wichtig klang wie „persona non grata“. Was definitiv falsch wäre –
zumindest zu diesem Zeitpunkt noch.
Ich bin sicher, dass sie sehr laut und deutlich gesprochen hat – zumindest war das ihrer Mimik zu entnehmen. Zeitweise machte sie den Eindruck, als würde sie für einen Charlie Chaplin Stummfilm proben. Dann klang sie, als säße sie irgendwo in einer Mülltonne – 5 km unter der Erdoberfläche. Dann wieder, als versuche sie, ihre Äußerungen im Telegrammstil durch den Äther zu jagen. Ich wusste nie, ob sie uns jetzt irgendetwas erzählt, gefragt oder einfach nur Lockerungsübungen für den Mund gemacht hatte.
Aber man versucht ja, das Beste daraus zu machen. Ich war schon immer gut in Lückentexten, Interpretation und „ins Blaue hineinschwafeln“. Und ich glaube, so falsch kann das, was ich von mir gegeben habe, nicht gewesen sein, sonst hätte das Trio den Termin wohl irgendwann entnervt abgebrochen.
Ach und wer sich fragt, welche Funktion Fozzie denn nun bei
dem Termin hatte…
Gar keine. Ich musste mir schon sehr das Lachen verkneifen, in seinen immer
ratloser werdenden Gesichtsausdruck zu blicken. Da halfen dann auch keine
kulinarischen Restaurant-Tipps mehr, um die Stimmung aufzulockern.
Als wir uns nach einer Stunde aus dem Termin verabschiedeten
und uns zur Nachbesprechung zusammensetzten, fragte Fozzie mich mit
hochgezogenen Augenbrauen:
„Sag mal, hast du irgendwas von dem verstanden, was die Tante da von sich
gegeben hat?“
„Nö. War aber ne gute Übung.“
„Wofür?“
„Für meinen nächsten Urlaub im Ausland.“
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