Freitag, 14. August 2026

Lückentext für Fortgeschrittene

Montagmorgen bei HORST

Ein Teams-Meeting mit einem Kunden zum Thema „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ steht an. Bei den Muppets intern als BEM bezeichnet. Was an sich schon für Lacher sorgt, weil die meisten erst mal BÄMM verstehen. BÄMM, wie dieses universell einsetzbare Geräusch für „Das hat gesessen“.

Ich liebe dieses Thema – nicht. Und war deshalb froh, dass Fozzie mich fachlich unterstützen würde. Ihr wisst schon – Fozzie, das wandelnde Fachlexikon für so ziemlich alles, was auch nur im Ansatz mit Meldewesen zu tun hat. Und der fehlendes Wissen zur Not mit kulinarischen Geheimtipps kompensiert.
Leider konnte allerdings auch der nicht ausgleichen, was dem Kunden an diesem Vormittag fehlte: funktionierende Technik.

Pünktlich wie die Maurer trudelte mein Gesprächspartner also mit zwei Damen in dem Meeting ein. Unterwegs schien er eine Person allerdings verloren zu haben, denn zwei Wochen vorher hatte er mir noch schriftlich mitgeteilt, dass sie zu viert sein würden. Egal – einer mehr oder weniger, da kommt’s ja jetzt auch nicht drauf an.

Kurz noch meine Unterlagen gecheckt, den Bildschirm geteilt, mich und Fozzie vorgestellt, dann konnte es losgehen.
Als Schulungs-Mensch hat man ja normalerweise schon so etwas wie Routine darin, was man wann, wie und wem erzählt. Alles ganz easy, dachte ich mir noch und startete meine Präsentation. Oder besser gesagt, ich versuchte es, denn schon nach wenigen Minuten tauchte die erste Frage auf und damit nahm unser Schicksal sozusagen seinen Lauf.

Von den drei Köpfen, die mir da von der anderen Seite des Bildschirms entgegenblickten, war einer der Sprache offensichtlich gar nicht mächtig. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, ob die Dame zumindest meinen Morgengruß erwidert hatte. Mein eigentlicher Gesprächspartner war offenbar auch nur anwesend, um die Männerquote zu erfüllen. Oder vielleicht hatte er auch nur Angst, dass seine weiblichen Kollegen nicht verstehen, was wir so von uns geben.
Die dritte Person im Bunde stellte sich uns als diejenige vor, die beim Thema BEM sozusagen den Hut aufhat. Welchen offiziellen Titel sie dafür benutzte, habe ich erfolgreich verdrängt. In meiner Erinnerung war es irgendwas, das ähnlich wichtig klang wie „persona non grata“. Was definitiv falsch wäre – zumindest zu diesem Zeitpunkt noch.

Ich bin sicher, dass sie sehr laut und deutlich gesprochen hat – zumindest war das ihrer Mimik zu entnehmen. Zeitweise machte sie den Eindruck, als würde sie für einen Charlie Chaplin Stummfilm proben. Dann klang sie, als säße sie irgendwo in einer Mülltonne – 5 km unter der Erdoberfläche. Dann wieder, als versuche sie, ihre Äußerungen im Telegrammstil durch den Äther zu jagen. Ich wusste nie, ob sie uns jetzt irgendetwas erzählt, gefragt oder einfach nur Lockerungsübungen für den Mund gemacht hatte.

Aber man versucht ja, das Beste daraus zu machen. Ich war schon immer gut in Lückentexten, Interpretation und „ins Blaue hineinschwafeln“. Und ich glaube, so falsch kann das, was ich von mir gegeben habe, nicht gewesen sein, sonst hätte das Trio den Termin wohl irgendwann entnervt abgebrochen.

Ach und wer sich fragt, welche Funktion Fozzie denn nun bei dem Termin hatte…
Gar keine. Ich musste mir schon sehr das Lachen verkneifen, in seinen immer ratloser werdenden Gesichtsausdruck zu blicken. Da halfen dann auch keine kulinarischen Restaurant-Tipps mehr, um die Stimmung aufzulockern.

Als wir uns nach einer Stunde aus dem Termin verabschiedeten und uns zur Nachbesprechung zusammensetzten, fragte Fozzie mich mit hochgezogenen Augenbrauen:
„Sag mal, hast du irgendwas von dem verstanden, was die Tante da von sich gegeben hat?“
„Nö. War aber ne gute Übung.“
„Wofür?“
„Für meinen nächsten Urlaub im Ausland.“

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